Epilepsiemotive in der erzählenden Literatur

- nach Zusammenstellungen und Erläuterungen von P. Wolf, Bielefeld-Bethel -
[Epilepsieblätter 7 (1994); Suppl. 2, S.43-47 und 9 (1996) Suppl. 1, S.56-59)]

Weitere Beispiele finden sich im Anhang des Buches: "Das ist eine alte Krankheit - Epilepsiemotive in der Literatur." (D.v.Engelhardt, H. Schneble, P.Wolf. Schattauer, Stuttgart, 2000)

OA: Originalausgabe
DA: Deutsche Ausgabe
ÜB: Übersetzer/in

Inhalt

ABSE, Dannie

OA: Ash on a Young Man´s Sleeve
       - 1954, England
DA: liegt nicht vor

In einer der intensiv und minutiös geschilderten Szenen, aus denen dieser Entwicklungsroman aufgebaut ist, erleben zwei Jungen, wie der einzige Mitreisende im Eisenbahnabteil einen epileptischen Anfall erleidet. Sie sind hilflos und tief verstört. Bei dem Ich-Erzähler wird diese Erinnerung Jahre später auf dem Bahnhof wieder auftauchen: Vergleich des Rütteln eines Kampfflugzeugs mit einer "epileptischen Samba".

ALLENDE, Isabel

OA: De amor y de sombra - 1984, Chile
DA: Von Liebe und Schatten - 1986
ÜB: Dagmar Ploetz

  1. Beschreibung hysterischer Anfälle mit Arc de cercle bei der 15-jährigen Evangelina, die ausdrücklich von Epilepsie unterschieden und mit tabuierter Sexualität begründet werden.
  2. "Epileptiker" werden neben Lahmen und Blinden unter denen aufgezählt, die an der Tür der Kathedrale "Geld und den kirchlichen Segen erbetteln".

ANONYM

OA: "Chin Ping Mei" - 16. Jahrhundert, China
DA: "Kin Ping Meh" - 1930
ÜB: Franz Kühn

Ein geliebtes Kind stirbt im Alter von 14 Monaten an Fieberkrämpfen.

AIKEN, Joan

OA: "The Weeping Ash" - 1980, England
DA: "Fanny und Scylla" - 1992
ÜB: Brigitte Mentz

Die Autorin glaubt, dem Beginn einer Epilepsie gehe eine Reihe von charakterlichen Veränderungen voraus, die dem Kundigen die Diagnose bereits verraten könnten.

ANDERSEN, Tryggve

OA: "Mot kvaeld" - 1900, Norwegen
DA: liegt nicht vor

Die Hauptfigur bekommt Ausnahmezustände, in deren Schilderung der Autor wahrscheinlich Erfahrungen seiner eigenen Epilepsie einbezogen hat.

ATWOOD, Margaret

OA: Life Before Man - 1979, Kanada
DA: Die Unmöglichkeit der Nähe - 1990
ÜB: Charlotte Franke

Eine Frau vergleicht den abwesenden Blick einer Rivalin mit einem kleinen epileptischen Anfall.

OA: Bluebeard´s Egg and Other Stories - 1983
DA: liegt nicht vor

In der Erzählung "The Salt Garden" bekommt eine junge Frau ungeklärte Ohnmachtsanfälle, die von einer komplexen visuellen Halluzination eingeleitet werden, und überlegt, ob sie "borderline epileptic" sein könnte.

OA: The Handmaid`s Tale - 1985
DA; Der Report der Magd - 1987
ÜB: Helga Pfetsch

Ein verräterischer Lachanfall wird wegen seiner Unwiderstehlichkeit mit einem epileptischen Anfall verglichen.

OA: Cat`s Eye - 1989
DA: Katzenauge - 1990
ÜB: Charlotte Franke

Metaphorischer Vergleich einer plötzlichen Eingebung von positiver lebensentscheidender Bedeutung mit der Überwältigung durch einen epileptischen Anfall.

BARNES, Julian

OA: Flauber`s Parrot - 1984, England
DA; Flaubers Papagei - 1987
ÜB: Michael Walter

Barnes Roman, eine Art Alternativunternehmen zu einer Biographie, kommt häufig auf Flauberts angebliche Epilepsie zu sprechen, ohne dazu konkretere Daten zu liefern als die konventionelle Sekundärliteratur.

BARNHARDT, Wilton

OA: Gospel - 1993, USA
DA: Der 13. Apostel - 1994
ÜB: Gabriele Krüger-Wirrer und Peter Hahlbeck

In dem von Umberto Eco inspirierten Roman um die Auffindung eines Matthias-Evangeliums aus dem 1. Jahrhundert gelten in einer Diskussion von Theologen verschiedener Konfession Paulus und Mohammed unbestritten als "epileptisch".

BEN JELLOUN, Tahar

OA: L´enfant de sable - 1985, Frankreich
DA: Sohn ihres Vaters - 1986
ÜB: Christiane Kayser

Eine in männlicher Rolle als Erbe erzogene Frau geht die Ehe mit einer Cousine ein, die durch Körperbehinderung und Epilepsie benachteiligt ist.

OA: La nuit sacré - 1987
DA: Die Nacht der Unschuld - 1988
ÜB: Eva Moldenhauer

BERNHARD, Thomas

OA: Amras - 1964, Österreich

Eine Epilepsie bei Mutter und Sohn hat fern allem Realismus als "Tiroler Krankheit" emblematische Bedeutung in der Erzählung.

BURNIER, Andreas

OA: Een tevreden lach - 1965, Niederlande
DA: Rendezvous bei Stealla Artois - 1994
ÜB. Waltraud Hüsmert

Die erotisch als Mann empfindende Medizinstudentin Simone bekommt zweimal epileptische Anfälle: Als sie nach einer unerklärt aufgetretenen Alexie auf Mathematik umsatteln will und nach einer schlaflosen Nacht zum ersten Mal ins Seminar geht, und im Schlaf nach ihrem ersten glücklichen Zusammensein mit einem Mann. Sie hat nach dem ersten Anfall eine sehr lange retrograde Amnesie und kommt in eine Klappsmühle", wo nichts weiter mit ihr geschieht. Das verordnete Luminal spült sie durchs Klo.

CAILLOIS, Roger

OA: Pons Pilate - 1961, Frankreich

Die Figur des Judas Ischariot folgt in Callois´ Pilatus-Erzählung der Deutungs-Tradition, in der er als treuester Jünger auf Jesu Geheiß bewusst die Rolle des Übeltäters auf sich nimmt, um das Martyrium Jesu zu ermöglichen. In einem Auftritt vor Pilatus fordert der "von Dämonen besessene" mit dieser Begründung die Exekution und bricht danach in einem epileptischen Anfall zusammen.

CAREY, Peter

OA: Illywhacker - 1985, Australien
DA: Illywhacker - 1994
ÜB: Dirk von Gunsteren

Die capriziöse Phoebe nutzt die Verehrung eines platonischen Anbeters, des "epileptischen" Poeten Horace Dunlop, rücksichtslos aus.

CAVE, Nick

OA: And the Ass saw the Angel - 1989, USA
DA: Und die Eselin sah den Engel
ÜB: Wernder Schmitz

Der stumm geborene Protagonist, den viele Anspielungen mit der Figur des geschundenen Christus identifizieren, hat Dämmerzustände, die er als Totzeit ("deadtime") bezeichnet, in denen er Halluzinationen und bedeutungsvolle Erlebnisse hat und gelegentlich komplexe Handlungen vollzieht. Die Möglichkeit, diese Zustände könnten epileptisch sein, wird angedeutet.

CHANDLER, Raymond

OA: The Big Sleep - 1939, USA
DA: Der große Schlaf - 1950
ÜB: Gunar Ortlepp

Das zu lösende Geheimnis der Detektivgeschichte besteht darin, dass eine Frau einen Mann im epileptischen Anfall erschossen und keine Erinnerung daran hat.

CHRICHTON, Michael

OA: The Andromedar Strain - 1969, USA
DA: Andromedar - 1969
ÜB: Thomas Wölfl

Eine Forschergruppe gerät dadurch in Gefahr, dass einer von ihnen in einem prekären Augenblick einen epileptischen Anfall erleidet.

OA: The Terminal Man - 1972, USA
DA: Endstation - 1972
ÜB: Thomas Wölfl

Ein Mann mit einer posttraumatischen Epilepsie wird wegen aggressiver Handlungen während epileptischer Anfälle als gemeingefährlich dargestellt.

CHRISTIE, Agatha

OA: The Murder on the Links - 1923, England
DA: Der Mord auf dem Golfplatz

Die Leiche eines durch einen epileptischen Anfall zu Tode gekommenen Mannes wird zur Vortäuschung eines Mordes benutzt, durch die eine dem Toten ähnliche Person einer Erpressung zu entgehen versucht.

AO: The ABC Murders - 1936, England
DA: Der ABC-Fahrplan - 1937
ÜB: Kurt Ziegler

Der Übeltäter versucht mit großer Rafinesse, eine Serie von Morden einem Kriegsinvaliden mit traumatischer Epilepsie unterzuschieben.

OA: Nemesis - 1971, England
DA: Das Schicksal in Person

Die Erwähnung der überraschenden Auffindung einer Leiche morgens in einem Haus veranlasst die Zuhörerin zu der spontanen Frage: "Jemand aus der Familie? Ein epileptischer Anfall?" An zwei anderen Stellen werden "Epileptiker" als Beispiele für bedauernswerte Menschen erwähnt, die Mitgefühl und Unterstützung brauchen.

COLLINS, Wilkie

OA: Poor Miss Finch - 1872, England
DA: Lucilla - 1969
ÜB: Eva Schönfeld>

Ein junger Mann entwickelt nach einer Hirnverletzung eine Epilepsie und wird durch eine Hautverfärbung infolge einer erfolgreichen Behandlung mit Silbernitrat von seinem Zwillingsbruder unterscheidbar.

COOKSON, Catherine

OA: The Gillyvors - 1990, England
DA: Das ertrotzte Glück - 1954
ÜB: Katharina Jonas

Timothy leidet an einer - traumatisch bedingten - Epilepsie und scheidet deshalb auch in seinem Selbstverständnis als Bewerber um Anna aus, obwohl er sozial über ihr steht. Seine Anfälle werden durch "Konflikte" ausgelöst; er erhält - 1883 - eine neue Medizin, die die Anfälle zwar nicht verhindert, aber abmildert. Das Vorurteil, das Epilepsie mit Geisteskrankheit oder Schwachsinn gleichsetzt, wird angesprochen und widerlegt.

DE CRESCENZO, Luciano

OA: Elena, Elena, amore mio - 1991, Italien
DA: Helena, Helena, amore mio - 1991
ÜB: Linde Birk

Eine ironisierende Nacherzählung der "Ilias", in der der epilepsiekranke Priamos-Sohn Aisakos die Zukunft voraussagt.

DALGAS, Ernesto

OA: Lidelsens vej - 1898, Dänemark
DA: liegt nicht vor

Ein visionäres Erlebnis der Hauptfigur wird wie ein epileptisches "jamais vu" geschildert.

OA: Dommedags bog - 1899, Dänemark
DA: liegt nicht vor

Der anfallskranke Autor schöpft in diesem der phantastischen Literatur zuzurechnenden Buch aus der Bildwelt seiner eigenen Psychose.

DICKENS, Charles

OA: Oliver Twist - 1837/ 38, England
DA: verschiedene

Die Züge von Olivers bösem Halbbruder Monks sind durch schreckausgelöste epileptische Anfälle entstellt, die als Gottesstrafe für seine Schlechtigkeit aufgefasst werden.

DOSTOJEWSKIJ, Fjodor Michailowitsch

OA: Idiot - 1868/ 69, Russland
DA: Der Idiot - 1889
ÜB: August Scholz

Dostojewskij litt selbst an Epilepsie und Epilepsiemotive spielen eine wichtige Rolle in vielen seiner Werke.

OA: Besy - 1871/72, Russland
DA: Die Dämonen - 1888
ÜB: E.K. Rahsin

OA: Bratja Karamazovy - 1879/80, Russland
DA: Die Brüder Karamasow - 1884
ÜB: Hans Ruoff und Richard Hoffmann

DREWITZ, Ingeborg

OA: Eingeschlossen - 1986, Deutschland

Ein junger Mann mit der Diagnose Epilepsie ist aus nicht erläuterten Gründen in einer psychiatrischen Anstalt geschlossen untergebracht. Irreführende und abstoßende Schilderung eines Anfalls und seiner Behandlung.

ELIOT, George (d.i.EVANS, Mary Ann)

OA: Silas Marner - 1861, England
DA: Silas Marner - 1861
ÜB: Julius Frese

Die als "Katalepsie", aber wie epileptische Dämmerzustände geschilderten Trancen der Titelfigur haben eine tragende Bedeutung für die Entwicklung der Erzählung.

FÄHRMANN, Willi

OA: Jakob und seine Freunde - 1993, Deutschland

Kinderbuch mit einfühlsamer Darstellung eines Jungen mit epileptischen Absencen.

FARMER, Penelope

OA: Snakes and Ladders - 1993, England
DA: liegt nicht vor

Ein Forschungsprojekt über die Verbesserung der Epilepsiebehandlung in Entwicklungsländern spielt eine große Rolle in diesem Roman der mit einem bekannten Epileptologen verheirateten Autorin.

FENNELLI, Toni

OA: The Closed Hanging - 1987, USA
DA: Bärendienst - 1988
ÜB: Mechthild Küpper

Matt Sinclair, ein homosexueller, als Antiquitätenhändler in New Orleans erfolgreicher Anwalt, hat nach einem Reitunfall eine Epilepsie, ist aber unter einer Kombination von Dilantin und Luminal anfallsfrei. Als ein Drogenabhängiger die Medikamente gegen Placebo austauscht, bekommt Sinclair ein Rezidiv und gerät unter Mordverdacht.

OA: Kiss Yourself Goodbye - 1989, USA
DA: Robins Hochzeit - 1991
ÜB: Bernd Kempker

Der Bösewicht versucht, den hier als Detektiv auftretenden Matt Sinclair umzubringen, der ihm selbst erzählt hat, eine Anfallsserie würde zum Ersticken durch Verkrampfung der Atemmuskulatur führen. Er fesselt und knebelt ihn, um dann Anfälle durch Elektroschocks auszulösen und nach dem erwarteten Tod die Fesseln wieder verschwinden zu lassen, so dass es nach einem spontanen Tod im Anfall aussähe.

FICHTE, Hubert

OA: Das Waisenhaus - 1965, Deutschland

Eines der Mädchen im von bayrischen Nonnen geführten Waisenhaus wird dort vor dem Zugriff der Nazi-Behörden geschützt, denn es hat eine spezielle Form von Epilepsie mit photosensibel ausgelösten Absencen.

FRAME, Jane

OA: Owls do Cry - 1957
DA: Wenn Eulen schrein - 1961
ÜB: Ruth Malchow

Die - soweit es um ihre subjektive Wahrnehmung geht - in poetischen Metaphern geschilderten Anfälle einer der Hauptpersonen haben eine wichtige Funktion für die Entwicklung der Erzählung.

OA: To the Is-Land. Autobiography 1 - 1982, Neuseeland
OA: An Angel at my Table. Autobiography 2 - 1984, Neuseeland
OA: The Envoy from Mirror City. Autobiographie 3 - 1984, Neuseeland

Die Epilepsiegeschichte des jüngeren Bruders der Autorin, die sie wie vieles andere autobiographisches Material in "Owls do Cry" in freier Form verwendet, wird v.a. im ersten und noch im zweiten Band der Autobiographie erzählt.

GRUMBACH, Doris

OA: Chamber Music - 1979 USA
DA: liegt nicht vor

Ein musikalisch hochbegabter Junge verteidigt sich gegen einen körperlichen Angriff mit einer rasenden Gegenreaktion, die mit der Diagnose "Epilepsie" erklärt wird.

HÄRTLING, Peter

OA: Das Windrad - 1983, Deutschland

Für die Hauptperson gewinnt die Entwicklung einer emotionalen Beziehung zu einem autistischen Jungen große Bedeutung. Zu Beginn wird dramatisierend ein Krampfanfall des Kindes beschrieben, danach gerät das Motiv in Vergessenheit.

HAWTHORNE, Susan

OA: The Falling Women - 1992, Australien
DA: liegt nicht vor

Auf einer Reise mit ihrer Geliebten in den menschenleeren australischen Norden erinnert sich Stella/ Estella, alter ego der Autorin, ihrer Entwicklungsjahre mit der Entdeckung ihrer Homosexualität und vieler Facetten ihrer Epilepsie.

HOFFMAN, Alice

OA: White Horses - 1982, USA
DA: Herzensbrecher - 1993
ÜB: Elke vom Scheidt

Die psychoreaktiven Schlafattacken eines jungen Mädchens werden nach außen hin in verharmlosender Absicht als "leichte Art von Epilepsie" dargestellt.

HOWATCH, Susan

OA: The Rich are Different - 1978, USA
DA: Die Reichen sind anders - 1986
ÜB: Günter Panske

Ein Großunternehmer leidet an einer erblichen Epilepsie, die er durch Sport und Disziplin für viele Jahre überwindet, aber vor seinen Gegnern sorgsam verbergen muss. Das Wiederauftreten der Anfälle in einer emotionalen Krisensituation macht ihn unter anderem impotent.

HUSTVEDT, Siri

OA: The Blindfold - 1992, USA
DA: Die unsichtbare Frau - 1993
ÜB: Uli Aumüller

In dem glänzend geschriebenen Roman, der in immer neuen Variationen um das Sehen kreist und in dem immer wieder Anfälle und Krisen vorkommen (Migräne, Asthma, Ohnmachten, unvermittelte Einfälle), spielt die Beobachtung und photographische Aufnahme eines epileptischen Anfalls, der aus ungewöhnlicher Vogelperspektive und wie in quälender Zeitlupe geschildert wird, eine zentrale Rolle.

IMMERMANN, Karl

OA: Die Epigonen - 1823/ 35, Deutschland

In einer Genreszene in einem ländlichen Gasthof bekommt eine Kammerzofe einen epileptischen Anfall und alle Umstehenden geben ihren Senf dazu.

JACOBSEN, Jens Peter

>OA: Niels Lyhne - 1880, Dänemark
DA: Niels Lyhne - 1889
ÜB: Mathilde Mann

Ein geliebtes Kind stirbt mit 2 Jahren an Fieberkrämpfen.

JAFFE, Rona

OA: Class Reunion - 1979, USA
DA: Die Schulfreundinnen - 1981
ÜB: Margarethe Lengsfeld

Eine junge Frau hat als Mädchen Absencen und wenige große Anfälle gehabt und lebt noch nach Jahren in ständiger Angst vor einer Wiederholung.

OA: After The Reunion - 1985, USA
DA: liegt nicht vor

Als es wieder zu einem Anfall kommt, wendet ihr Mann, für den die Anfälle theoretisch kein Problem gewesen waren, sich von ihr ab.

JAMES, P.D.

OA: The Children of Men - 1981, England
DA: Im Land der leeren Häuser - 1993
ÜB: Christa Seibicke

Nach 25-jähriger weltweiter Unfruchtbarkeit bekommt eine Frau mit einer verkrüppelten Hand von einem Mann, der in seiner Jugend an Epilepsie litt, ein Kind, auf dem die neue Hoffnung der Menschheit ruht.

JONES, Thom

OA: The Pugilist at Rest - 1991, USA
DA: liegt nicht vor

In 5 der 11 Erzählungen wird die Epilepsie erwähnt - dreimal als Hauptmotiv.

  • In der Titelgeschichte bekommt der Ich-Erzähler nach einem Schädelbruch beim Boxen eineTemporallappenepilepsie mit Auren wie Dostojewskij. Er glaubt an die dem Auftreten der Anfälle vorausgehende "epileptische Persönlichkeit", an Hunde, die zu Helfern bei Anfällen dressiert werden können und die Unwirksamkeit und Schädlichkeit von Antiepileptica. Schließlich lässt er sich von einem dubiosen Neurochirurgen zu einem Eingriff überreden.
  • "The Black Lights" variiert das Thema der Temporallappenepilepsie, die hier den selben Ich-Erzähler in eine psychiatrische Abteilung der Marine bringt. Die schwarzen Lichter sind iktale Halluzinationen.
  • In "Unchain My Heart" schildert eine junge Verlagslektorin ihre Liebe zu einem animalisch starken, todesmutigen Mann und spricht von "Orgasmen wie Epilepsie".
  • In "Silhouettes" setzt ein junges Mädchen ihren Willen mit pseudoepileptischen Anfällen durch, die auch so bezeichnet werden.
  • In "A White Horse" kommt die Hauptperson nach einem Autounfall in Bombay zu sich, wohin sie in einer "Fugue epileptique", einem anfallsbedingtem Dämmerzustand, gereist ist.

KADARÉ, Ismail

Le pont au trois arches - 1981 (französische Übersetzung des albanischen Originals, ÜB: Jusuf Vrioni)
DA: liegt nicht vor

Ein als "reisender Seher" auftretender Agent führt sich in der im 14. Jahrhundert spielenden Geschichte durch einen vorgetäuschten epileptischen Anfall ein.

KAHANOWITSCH, Pinhas ("Der Nister")

OA: Die mischpoche Maschber - 1939/ 48, UdSSR (englisch: Leonard Wolf 1987)
DA: Die Brüder Maschber - 1995
ÜB: Hans-Joachim Maas

In der Entwicklung Alters, des jüngsten der 3 Brüder, wechseln Phasen von hochbegabtem Voranschreiten mit solchen der Umnachtung. Ein erster epileptischer Anfall Alters, ausgelöst durch einen dramatischen Bruch zwischen den beiden anderen Brüdern, leitet - vom Arzt als Krise des Krankheitsverlauf gedeutet - eine erneute Phase der Geistesklarheit ein.

KARINTHY, Frigyes

OA: Utazas a koponyam körül - 1937, Ungarn
DA: Reise um meinen Schädel - 1993
ÜB: Hans Skirecki

Das Buch ist die literarische Auseinandersetzung mit der eigenen Erkrankung an einem Kleinhirntumor und der Operation durch Olivecrona. Karinthy weis, dass man bei Epilepsie neuerdings Unterschiede macht und "Jacksonsche Epilepsie" erfolgreich operativ behandeln kann. Er sieht einen Film, der Cushing bei einer solchen Operation zeigt.

KESEY, Ken

OA: One Flew Over the Cuckoo´s Nest - 1962, USA
DA: Einer flog über das Kuckucksnest - 1971
ÜB: Hans Hermann

Für Kessey, der eine Anfallsauslösung durch Koitus beschreibt, ist die Diagnose "Epilepsie" eine ausreichende Indikation für eine zeitlich unbegrenzte stationäre psychiatrische Behandlung, und die therapeutische Problematik reduziert sich auf die Alternative "Anfälle oder Zahnfleischwucherung". Unbefangene Reaktionen von Laien auf Anfälle.

KRONACHER, Brigitte

OA: Das Taschentuch - 1994, Deutschland

Willi, der Alltagsheld des Buches, stirbt durch Sturz in einem seiner Anfälle, die mit anscheinend wahllos aufgegriffenen Termini wie "Epilepsie", "Ohnmacht", "Schwindel", "Absence" oder "cerebrale Anfallsschwäche" belegt werden. Wiederholte Beschreibung von Anfällen, die keinerlei Ähnlichkeit mit wirklich vorkommenden Anfallstypen haben.

KUBIN, Alfred

OA: Die andere Seite - 1909, Österreich

Der phantastische Roman schildert ein "Traumreich", dessen Herrscher Patera "Epileptiker" ist und dessen Anfälle von allen Bewohnern des Reiches (Figuren seines Traumes?) als "Klaps" miterlebt werden, als ein Fluch, ein Moment unsagbarer Erschütterung, der Erschöpfung und Verstörung hinterlässt.

LENZ, Siegfried

OA: Deutschstunde - 1968, Deutschland

Die epileptischen Anfälle einer Nebenfigur tragen weniger als erwartet zur Entwicklung der Erzählung bei.

LEVI, Primo

OA: La tregua - 1963, Italien
DA: Die Atempause - 1964
ÜB: Barbara und Robert Picht

Bei der Rückkehr aus dem KZ Auschwitz und anschließender russischer Lagerhaft taucht im Zug ein epileptischer Junge auf, der immer so lange bei einer Gruppe bleibt, bis er den nächsten Anfall bekommt, nach dem er sich scheu zurückzieht.

MAC LAVERTY, Bernard

OA: Lamb - 1980, England
DA: Lamb, der Ausgeflogene - 1982
ÜB: Hanna Neves

Der 12-jährige, in asozialen Verhältnissen aufgewachsene, in Kleinkriminalität abrutschende Owen Kane leidet an aura-eingeleiteten großen Krampfanfällen. Er empfindet die Aura als schön und wünscht sich einmal, immer in ihr zu sein. Ein entflohener Mönch, der an ihm die Vaterstelle einnehmen möchte und dem er dies erzählt hat, ertränkt ihn aus missverstandener Liebe in einer aus ausweglos empfundenen Situation während eines provozierten Anfalls.

MANN, Thomas

OA: Buddenbrooks - 1901, Deutschland

Die Schilderung komplizierter Fieberkrämpfe, die der kleine Hanno Buddenbrook beim "Hervorbrechen der Milchzähne mit seiner Gefolgschaft von Fieber und Krämpfen" erleidet, ist "wohl der erste Nachweis für die Beschäftigung mit der Krankheit Epilepsie im Schaffensprozess Thomas Manns" (Kruse, 1994).

OA: Der Zauberberg - 1924, Deutschland

Der große epileptische Anfall des Lehrers Popów beim Mittagessen, der seine Mitpatienten im Lungensanatorium in "unbeschreiblichen Aufruhr" versetzt, erinnert die Anwesenden daran, dass der psychoanalytisch geprägte Assistenzarzt Dr. Krokowski die Fallsucht im Sinne der Freudschen Triebdynamik als "Äquivalent der Liebe und Orgasmus des Gehirns" interpretiert hat.

OA: Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull - 1922/ 36/ 54, Deutschland

Durch einen simulierten Anfall bei der Musterung kann sich die Titelfigur dem Militärdienst entziehen.

MC MILLAN, Terry

OA: Disappearing Acts - 1989, USA
DA: Ab durch die Mitte - 1993
ÜB: Oliver Huzly

Unter anderem an den epileptischen Anfällen einer der Hauptfiguren wird gezeigt, wie diese lernen, mit ihren Problemen besser umzugehen.

MORANTE, Elsa

OA: La storia - 1974, Italien
DA: La storia - 1976
ÜB: Hannelise Hinderberger

Die epileptischen Anfälle des Kindes Useppe, seiner Mutter und - vereinzelt - seines Bruders sind ein zentrales Motiv für die Entwicklung des Romans.

OA: Aracoeli - 1982, Italien
DA: Aracoeli - 1984
ÜB: Ragni Maria Gschwend

Während in "La storia" ein bei einer Vergewaltigung auftretender epileptischer Anfall von dem Mann als sexuelle Klimax mit Orgasmus fehlgedeutet wird, wird hier reziprok von einem mit Schrei und Umsichschlagen eintretenden Orgasmus gesagt, er habe weniger Ähnlichkeit mit Wollust als mit einem epileptischen Anfall gehabt.

OE, Kenzaburo

OA: Shizuka na seikatsu - 1990, Japan
DA: Stille Tage - 1994
ÜB: Wolfgang E. Schlecht und Ursula Gräfe, unter Mitarbeit von Kimiko Nakayama-Ziegler

Die Rolle des geistig behinderten älteren Bruders der fiktiven Erzählerin beginnt zwischen Beschütztwerden und Beschützen zu schillern, z.B. im Verlauf eines Anfalls im Gedränge einer überfüllten Bahnstation.

ORUM, Poul

OA: Lyksalighedens o - 1958, Dänemark
DA: liegt nicht vor

Die zwölfjährige Emilie hat Absencen und gelegentliche Krampfanfälle, die sie auch selbst induzieren kann, um ihren Willen durchzusetzen. Sie wird als besonders dreist und mutig geschildert, und bestätigt damit eine psychoanalytische Literatur, derzufolge Absencen an die Stelle einer Wahrnehmung von Angst treten können.

OA: Kun sandheden - 1974, Dänemark
DA: liegt nicht vor

Eine Frau, die an "Petit mal" leiden soll, hat keine Erinnerung an einen Zeitraum, in dem ein Mord begangen wurde. Hat sie bei einem Anfall im unbewussten Zustand die Tat begangen oder gibt sie die Erinnerungslücke nur vor, um einen anderen zu schützen?

OZ, Amos

OA: Lada´at ischa - 1989, Israel
DA: Eine Frau erkennen - 1990
ÜB: Ruth Achlama

Die Frage, ob die Anfälle der Tochter epileptisch sind oder psychogen, ist eine wichtige Quelle der Auseinandersetzungen des Joel Ravid mit seiner Frau.

PALMEN, Connie

OA: De Wetten - 1991, Niederlande
DA: Die Gesetze - 1993
ÜB: Barbara Heller

Das zweite der sieben Männerporträts, aus denen der Roman besteht, stellt einen hochintelligenten Philosophiestudenten dar, der mit vielen subtilen Details die Selbstwahrnehmung seiner Epilepsie reflektiert.

PARKER, Robert B.

OA: Perchance to Dream - 1991, England
DA: Tote träumen nicht

Chandlers epileptisches Mädchen aus "Der tiefe Schlaf" verwickelt sich wieder in kriminelle Aktivitäten; diesmal aber ohne Beziehung zu ihren Anfällen, die nur am Rande erwähnt werden.

PEAKE, Mervyn

OA: Titus Groan - 1946, England
DA: liegt nicht vor

Zu den Karikaturen, die den Fantasy-Roman bevölkern, gehören zwei debile alte Jungfern: Zwillinge, die erzählen, sie hätten als junge Mädchen epileptische Anfälle gehabt und seither seien ihre Gliedmaßen "verhungert" und steif.

PENNAC, Daniel

OA: Au bonheur des ogres - 1985, Frankreich
OA: La fée carabine - 1987
OA: La petite marchande de prose - 1989
DA: liegt jeweils nicht vor

In allen drei Bänden der Triologie bekommt ein epileptischer Hund bei kritischen Zuspitzungen Anfälle.

PERCY, Walker

OA: The Last Gentleman - 1966, USA
DA: Der Idiot des Südens - 1988
ÜB: Peter Handke

In diesem Roman begegnen wir Will Barrett (später die alternde Hauptperson in "The Second Comming") als jungem Mann, schon hier einem sensiblen bis sensitiven Antihelden, der sich durchs Leben bewegt wie durch einen Tagtraum. Seine häufigen anfallsweisen Gedächtnisstörungen, teils déjà vus, teils Amnesien und Dämmerzustände, bedeuten weniger eine medizinische Diagnose als dass sie auf das Schlafwandlerische seiner Existenz verweisen. Von Epilepsie ist hier noch nicht die Rede.

OA: The Second Comming - 1980, USA
DA: Die Wiederkehr -1989
ÜB: Sabine Hübner

Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen einem einfühlsam geschilderten schizophrenen Mädchen und einem pensionierten Juristen (der "Last Gentleman" aus dem gleichnamigen Buch"), der an episodischen Ausnahmezuständen leidet und an Sturzanfällen, die ausdrücklich epileptisch sein sollen ("temporal lobe petit mal"), deren Schilderung als solche aber nicht überzeugt.

OA: The Thanatos Syndrome - 1987, USA
DA: liegt nicht vor

Die Erzählung schlägt die Brücke ethischer Problematik von modernen technologischen und organisatorischen medizinischen Entwicklungen zur Medizin des Nationalsozialismus. Als Euthanasieindikation wird u.a. "Status epilepticus" genannt. Eine Romanfigur wird gerontopsychiatrisch auffällig und bekommt Anfälle, die unüberzeugend als Temporallappen-Epilepsie aufgefasst werde.

PILCHER, Rosamunde

OA: The Shell Seakers - 1987, England
DA: Die Muschelsucher - 1990
ÜB: Jürgen Abel

Ein junger Mann hatte ein unklares Anfallsereignes und glaubt sich als Epilepsiekranker zur Ehelosigkeit verurteilt. Es wird der falsche Eindruck vermittelt, dass zur Diagnose einer Epilepsie neben einem EEG vor allem eine Computertomographie benötigt wird.

POE, Edgar Ellen

OA: Berenice - 1835, USA
DA: Berenice
ÜB: Arno Schmidt

In allen drei Erzählungen geht es um irrtümliche Begräbnisse bei lebendigem Leibe. In "Berenice" wird der Scheintod mit Epilepsie erklärt, in "Der Fall des Hauses Usher" und in "Das vorzeitige Begräbnis" mit Katalepsie.

OA: The Fall of the House of Usher - 1839, USA
DA: Der Fall der Hauses Usher - 1883
ÜB: Arno Schmidt

AO: The Premature Burial
DA: Das vorzeitige Begräbnis
ÜB: Hans Wollschläger

POLLCK, Richard

OA: The Episode - 1986, USA
DA: liegt nicht vor

Der selbst an Epilepsie leidende Autor griff mit diesem Buch in die Debatte über Epilepsie als Verteidigungslinie in Strafverfahren ein. Man kann es als ein Aufklärungsbuch über das Thema "Epilepsie und Verbrechen", aber auch über Epilepsie allgemein in Gestalt eines Kriminalromans bezeichnen.

PUTNEY, Mary Jo

OA: Dearly Beloved - 1990, USA
DA: liegt nicht vor

In einer gut recherchierten Epilepsie-Darstellung kann ein Junge den drohenden Anfall durch eine Art Autosuggestion niederkämpfen. Sein Vater hatte als Jugendlicher Anfälle und konnte von ihnen geheilt werden.

PYNCHON, Thomas

OA: V. - 1961, USA
DA: V. - 1968
ÜB: Dietrich Stössel und Wulf Teichmann

In seinem ersten Roman schlägt Pynchon das Epilepsiemotiv, dass in "Lot 49" eine so große Rolle spielen wird, einmal ganz am Rande an, als er einen auf Ischia lebenden Poeten erwähnt, "who had the misfortune to be both homosexual and epileptic". Es geht dabei vielleicht v.a. um die Pointe, die im Namen des Dichters liegt: Cinoglossa (Zungenbeweger).

OA: The Crying of Lot 49 - 1966, USA
DA: Die Versteigerung von No. 49 - 1973
ÜB: Wulf Teichmann

Die metaphorige Verwendung der epileptischen Aura wird in beziehungsvoller Ausarbeitung zur Schlüsselmetapher dieser hochartifiziellen Parodie einer Detektivgeschichte.

OA: Gravity`s Rainbow - 1973, USA
DA: Die Enden der Parabel - 1981/ 89
ÜB: Elfriede Jelinek und Thomas Piltz

Die Wahrnehmung eines unbeschreiblichen, aber bekannt scheinenden Geruchs, "an aura that threatens to go epileptic any second" deutet auf eine verschüttete Erinnerung aus frühester Kindheit hin; ein Geheimnis, dessen Aufdeckung nicht zu überleben wäre.

OA: Slow Learner. Early Stories - 1984, USA
DA: Spätzünder. Frühe Erzählungen - 1985
ÜB: Thomas Piltzer und Jürgen Laederach

In der Erzählung "Tiefland" (1960, ÜB: Jürgen Laederach) wird die Vorahnung eines Ehekrachs mit der Vorahnung eines epileptischen Anfalls durch die Aura verglichen.

QUENEAU, Raymond

OA: Le dimanche de la vie - 1951, Frankreich
DA: Sonntag des Lebens - 1969
ÜB: Eugen Helmlé

Ein Dienstmädchen bekommt einen epileptischen Anfall und soll zuerst mit fadenscheinigen Begründungen entlassen werden, wird dann aber doch behalten.

RANSMAYR, Christoph

OA: Die letzte Welt - 1988, Österreich

Der "fallsüchtige" Knabe Battus, der sich immer wieder der Existenz und Greifbarkeit der Welt versichern muss, erliegt der Faszination der von einem Episkop erzeugten Trugbilder und wird in Stein verwandelt.

RICHLER, Mordecai

OA: The Aprenticeship of Duddy Kravitz - 1959, Kanada
DA: liegt nicht vor

Ein verschroben wirkender epilepsiekranker junger Mann erleidet in Folge eines anfallbedingten Autounfalls eine Querschnittslähmung, versucht fortan eine Selbsthilfebewegung zu organisieren und verfasst eine Zeitschrift für Anfallkranke.

ROTH, Joseph

OA: Hiob. Roman eines einfachen Mannes - 1930, Österreich

In dieser legendenhaften Geschichte wird auf wundersame Weise aus einem missgestalteten, geistig zurückgebliebenen und epilepsiekranken Kind ein berühmter, schöner und eleganter weltbekannter Musiker.

RUSHDIE, Salman

OA: Midnight´s Children - 1981, England
DA: Mitternachtskinder - 1983
ÜB: Karin Graf

Ein schmuddeliger Wahrsager in Delhi sagt in einer Ekstase die Geschicke der Hauptperson voraus und bricht am Ende in einem epileptischen Anfall zusammen.

OA: The Satanic Verses - 1988, England
DA: Die satanischen Verse - 1989

Die falsche Prophetin Ayesha, die ein ganzes Dorf auf eine Pilgerreise führt und sich schließlich im Meer ertränken lässt, "hat die fallende Krankheit", "ist vom Dämon der Epilepsie besessen".

SAND, George

OA: La mare au diable - 1845, Frankreich
DA: Der Teufelsteich
ÜB: Guido Meister

Die ländliche Idylle enthält ein eindringliches, wahrscheinlich nach dem Leben gezeichnetes Portrait eines sympathischen Totengräbers, der trotz seiner Epilepsie als Organisator von Festen eine wichtige Figur in seinem Dorf ist. Er stirbt "auf tragische Weise", als er sich, um seine Angehörigen vor dem Anblick zu verschonen, beim Nahen eines Anfalls auf dem Heuboden versteckt und von dort zu Tode stürzt.

SCHNEBLE, Hansjörg

OA: Das Eigentor oder die Geschichte vom Peter-Guck-in-die-Luft - 1994, Deutschland

Ein Buch mit einer Fülle von Detailinformationen über Epilepsie, die dem Handlungsfaden einer Kindergeschichte entlang entwickelt werden.

SCHNEIDER, Robert

OA: Schlafes Bruder - 1992, Österreich

Epilepsie (in der hier passenden Bezeichnung Fallsucht) wird zwar nie eigentlich zum Thema, gehört aber zu den am Rande des Alltags immer lauernden Bedrohungen und Nöten, die die verhunzte Welt eines hinterwäldlerischen Dorfes Anfang des 19. Jahrhunderts mitprägen.

SCHNURRE, Wolfdietrich

OA: Als Vaters Bart noch rot war - 1958, Deutschland

Die Erzählung "Die Verbündeten" schildert Mitleid und Solidarisierung zwischen Lehrer und Schüler, die beide an Epilepsie leiden.

SCHUMMEL, Johann Gottlieb

OA: Empfindsame Reisen durch Deutschland - 1772, Deutschland
Auszüge in: " O Lust, allen alles zu sein. Deutsche Modelektüre um 1800" - 1991

Die Hauptfigur wird Zeuge eines Anfalls bei einem jungen Mädchen. Ergriffen von dieser Szene steht sie dem Mädchen bei.

SIMENON, Georges

OA: Le haut mal - 1977, Frankreich
DA: Das Unheil - 1992
ÜB: Josef Wininger

Ein junger Bauer, der epileptische Anfälle hat, wird unter Vortäuschung eines anfallsbedingten Unfalls von seiner hartherzigen Schwiegermutter aus der Luke des Kornspeichers zu Tode gestürzt.

SPARK, Muriel

OA: The Bachelors - 1960, England
DA: Die Junggesellen - 1961
ÜB: Elisabeth Schnack

Die Autorin wurde zu der einfühlsamen Schilderung des Anfalls und der Probleme eines epilepsiekranken Angestellten nach eigener Auskunft durch die zufällige Beobachtung eines Krampfanfalls auf der Straße inspiriert.

SPIEL, Hilde

OA: Der Mann mit der Pelerine - 1985, Österreich

Der Band enthält eine um 1950 entstandene Erzählung "Das kleine Weh", die in melodramatischer Weise etwas schildert, was mit dem irreführenden Etikett "Petit mal" versehen und als "Das kleine Weh" falsch übersetzt wird.

STADLER, Arnold

OA: Mein Hund, meine Frau, mein Leben - 1994, Deutschland

In diesem Roman eines Scheiternden werden einige lang zurückliegende Ohnmachten vom bischöflichen Vertrauensarzt als Epilepsie gedeutet und verhindern die Priesterweihe. Man findet außerdem den Ausdruck "falliges Weh".

TENNYSON, Alfred

OA: The Princess - 1847/ 51, England
DA; liegt nicht vor

Der Prinz, der um die Prinzessin wirbt, bekommt auf Grund eines Familienfluchs unheimliche Anfälle, in denen er "Substanz und Schatten" nicht mehr unterscheiden kann. Als Diagnose wird "Katalepsie" genannt, die Anfälle werden aber im Sinne eines epileptischen "jamais vécu" geschildert.

THACKERAY, William Makepeace

OA: Vanitiy Fair - 1847/ 48, England
DA: verschiedene, als "Jahrmarkt der Eitelkeit"
oder "Jahrmarkt des Lebens"

In 3 Erwähnungen von Epilepsie im Nebensatz (zweimal in Gleichsetzung mit Geistesschwäche, einmal vermutlich in Verwechslung mit Apoplexie) spiegeln sich zeittypische Vorstellungen von Epilepsie wieder.

VONNEGUT, Kurt

OA: Hocus Pocus - 1990, USA
DA: Hokus Pokus oder Wohin so eilig? - 1992
ÜB: Lutz-W. Wolff

In einem Internat für lernbehinderte Kinder reicher Familien ist "Petit mal" eine der typischen Diagnosen und wird mit einem Satz zutreffend definiert.

WALLRAFF, Günter

OA: Ganz unten - 1985, Deutschland

In einem der Kapitel des vorgeblichen Tatsachenberichtes wird mit Fehlern, die nur dem Fachmann erkennbar sind, die Teilnahme als Versuchsperson an einer Medikamentenprüfung mit einem Antiepilepticum geschildert.

WILDER, Thornton

OA: The Ides of March - 1948, USA
DA: Die Iden des März - 1949
ÜB: Herberth E. Herlitschka

In Wilders Versuch über das Ende Julius Caesars spielen Deutungen seiner epileptischen Anfälle eine große Rolle. Der Autor orientiert sich dabei fast ausschließlich an den Selbstschilderungen Dostojewskijs.

WIMSCHNEIDER, Anna

OA: Herbstmilch - 1984, Deutschland

Zu dem widrigen Schicksal in dieser nach mündlicher Erzählung aufgezeichneten Lebensgeschichte einer armen Kleinbäuerin gehört, dass ihr Sohn als Kleinkind epileptische Gelegenheitsanfälle ("Fraisen") bekommt.

WOOD, Barbara

OA: Green City in the Sun - 1988, USA
DA: Rote Sonne, schwarzes Land - 1992
ÜB: Manfred Ohl und Hans Sartorius

Der einzige Sohn eines britischen Großgrundbesitzers in Kenia bekommt eine Epilepsie und wird dadurch in den Augen des Vaters minderwertig und lebensuntüchtig.

XENOPHON VON EPHESOS

OA:  Ephesiacorum libri V, De amoribus Anthiae et Abrocomae (ed. A.D. Papanikolaou Studienausgabe in griechischer Sprache)
DA: Abrokomes und Anthia, die Liebenden von Ephesos
ÜB: Bernhard Kytzler

In diesem hellenistischen "Groschenroman" über die unwahrscheinlichsten widrigen Abenteuer eines Liebespaares wird Anthia in einer Episode an ein Bordell in Syrakus verkauft und rettet sich dadurch, dass sie einen Anfall spielt und vorgibt, auf Grund eines erschreckenden Erlebnisses an der "heiligen Krankheit" zu leiden.

ZIMMER BRADLEY, Marion

OA: The Firebrand - 1987 - USA
DA: Die Feuer von Troia
ÜB: Manfred Ohl und Hans Sartorius

In dieser Nacherzählung des Trojanischen Krieges aus der Sicht Kassandras wird ein Apollo-Priester, der unter der Maske des Gottes Kassandra zu verführen versucht, von diesem mit der "fallenden Krankheit" bestraft.

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